SFH-141879   SPÖ will den Gemeindebau kühlen, Die Presse von MARTIN STUHLPFARRER 19.08.2019 um 08:04

Zwischen SPÖ und den Grünen läuft der Wettkampf: Wer ist der bessere Klimakämpfer? Die SPÖ will mit einem waldähnlichen Kunstzelt punkten – das ist ein Vorspiel für die Wien-Wahl.

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Das Airship ist eine Kunstinstallation mit Pflanzen und Bänken, die nun die SPÖ auf den Plan gerufen hat. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)


Wien. Die » Klimaerwärmung ist das dominierende politische Thema in diesem Sommer – wenige Wochen vor der kommenden Nationalratswahl. Und das sorgt für eine spannende Situation in der rot-grünen Wiener Stadtregierung. Nicht nur im anlaufenden Nationalratswahlkampf, sondern (vor allem) für die Wien-Wahl im nächsten Jahr. Die zentrale Frage: Wer kann Klima- und Umweltschutz besser? Und wer kann sich (für die Wahlen) damit besser vermarkten?

Rot-grüner Öko-Wettkampf

In der öffentlichen Wahrnehmung würden die meisten Menschen naturgemäß den Grünen hier den Vorzug geben. Die SPÖ verweist in diesem Wettstreit allerdings gern darauf, dass sie mit der Ex-Global-2000-Aktivistin Ulli Sima die Wiener Umweltstadträtin stellt. Also klimaschützende Maßnahmen (Klimaschutzprogramm KliP) seit etlichen Jahren umsetzt. Die Grünen dagegen pochen darauf, dass sie sowieso öko und seit jeher Umweltschützer sind.

In diesem rot-grünen Öko-Wettkampf forciert SPÖ-Klubobmann Josef Taucher das Klima-Thema. „Die große Frage in der Klimapolitik ist die Frage der Solidarität.“ Denn beispielsweise würden Bewohner eines Gemeindebaus nicht so viel Geld haben wie reiche Menschen, und könnten sich daher weniger vor den Folgen des Klimawandels schützen, so Taucher. Deshalb möchte er, dass sogenannte Airships in den Gemeindebauten landen.

Airship ist eine Kunstinstallation, die derzeit im Wiener Museumsquartier zu bewundern ist. In einem Zelt wurde eine dichte Jungwald-Vegetation aufgebaut, die durch eine Sprüh- und Vernebeltechnik ergänzt wird. Eine Holzbank lädt dabei zum Verweilen ein. Mit dieser Installation können Besucher an heißen Tagen in diesem Zelt Abkühlung finden und gleichzeitig ein Waldgefühl genießen. „Das Airship stellt einen mobilen Prototypen eines Klima- und Atemraums für Städte zur Reduktion des Urban-Heat-Island-Effekts dar“, so wird das Projekt vom MQ auf dessen Internetseite beschrieben.


Taucher kann sich vorstellen, diese biologischen Abkühlzelte in den Gemeindebauten unter dem Titel „Tröpferlbad 2.0“ aufstellen zu lassen. Als Tröpferlbad wurden früher städtische Brausebäder bezeichnet, die ab 1910 in Wien entstanden. Für die Arbeiter waren diese Volksbäder jahrzehntelang die einzige Möglichkeit zur gründlichen Körperreinigung. „Das Airship kann man als Weiterentwicklung der Wärmestuben sehen, die wir nach dem Krieg brauchten, um Menschen ohne Heizung zu versorgen“, so Taucher. Heute brauche es als soziale Maßnahme nun „Abkühlstuben“, also Orte, an denen sich Menschen ohne Klimaanlage von der Hitze erholen könnten.

Wo landet das Airship?

Derzeit geht es für Taucher um grundsätzliche Überlegungen. Details zu Anzahl der Zelte, Kosten und Aufstellungsorten gibt es noch nicht. Aber man müsse gegen die Auswirkungen der Klimakrise auch ungewöhnliche Wege gehen, meint dazu der SPÖ-Klubchef. Denn die Zelte, in denen die Bewohner sich abkühlen können, hätten auch eine soziale Funktion. Man käme dort ins Gespräch, erklärt Taucher.

Dass nun der rote Klub plötzlich voll in die Klimadiskussion einsteigt, hat einen logischen Grund: Die SPÖ will sich ökologisch breiter aufstellen – für die Nationalratswahl und die Wien-Wahl 2020. Dafür will Taucher, der von Hainburg politisiert wurde, stehen. Er war 2001, am Anfang seiner politischen Karriere, auch im Umweltausschuss einer Bezirksvertretung tätig, jahrelang bei der Lokalen Agenda 21 aktiv und im Bundesrat und (später) im Gemeinderat im Umweltausschuss. Nebenbei hat er für das Umweltministerium einst die Österreichische Nachhaltigkeitsstrategie mit Bund und Ländern koordiniert.

Die SPÖ will nun aktiv in grünen Revieren wildern. Was die Sache spannend macht: Grünen-Chefin Birgit Hebein hat im Gegenzug angekündigt, den Klimaschutz mit der sozialen Frage zu verbinden. Und damit aktiv in roten Revieren zu wildern – was dann eine rot-grüne Klimakrise auslösen könnte.


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