SFH-3029  Ungarn: Giftschlamm erreicht Donau,  Artikel vom 07.10.2010 16:00 | KURIER

Nach dem Chemieunfall in Westungarn hat der Giftschlamm die Donau erreicht. Einsatzkräfte versuchen, die Substanz zu neutralisieren.

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Giftschlamm in Ungarn Die Unglücksstelle: Bei dem geborstenen Speicherbecken des Aluminiumwerks MALAG in Ajka laufen die Aufräumarbeiten. Die rote Brühe überschwemmte alles.

Das befürchtete Szenario ist eingetreten: Am Donnerstag erreichte der Giftschlamm aus einem Aluminiumwerk die Donau. Die toxische rote Brühe war wenige Stunden zuvor aus dem Flüsschen Marcal in die Raab gelangt.

Die Einsatzkräfte gingen - im Gegensatz zu Umweltschützern - nicht davon aus, dass der Donau durch die laugenhaltige Substanz große Gefahr droht. Die Brühe habe sich bereits verdünnt, hieß es. Im Marcal sind alle Fische verendet, der Fluss ist tot. In der Raab und in der Donau wurden zunächst keine toten Fische gefunden.

Die Einsatzkräfte im Katastrophengebiet sind weiter damit beschäftigt, Gips ins Wasser zu schütten, um den Laugengehalt (pH-Wert) des Giftschlammes zu neutralisieren. Der pH-Wert 7 markiert den neutralen Zustand. An der Einmündung der Raab in einen Donau-Seitenarm wurde ein Wert von 9,3 gemessen.

Entwarnung für Österreich

Die Umweltorganisation WWF geht davon aus, dass der Giftschlamm-Unfall schlimmer ist als die Zyanid-Katastrophe im Jahr 2000, die ein gigantisches Fischsterben in der Theiß zur Folge hatte. "Wir sind sicher, dass sich der rote Schlamm bis in nahe gelegene Natura-2000-Europaschutzgebiete ergießen wird", meint Gabor Figeczky vom WWF Ungarn. "Die Naturschäden werden demnach auch von internationaler Bedeutung sein."

Zyanid und Schwermetalle haben unterschiedliche Wirkungen. Zyanid vernichtet alle Lebewesen sofort; Schwermetalle werden vom Boden aufgenommen, ihre Wirkung bleibt länger nachweisbar.

Am Montagabend war nach einem Dammbruch giftiger Schlamm aus dem Rückhaltebecken eines Aluminiumwerkes geflossen. Die giftige Masse wälzte sich durch mehrere Dörfer. Zehn Menschen starben, 120 wurden verletzt. Mediziner befürchten durch die Schwermetalle erhebliche Langzeitfolgen für die Bewohner der Region. Krebserkrankungen drohen - durch Arsenbelastung etwa Tumore an Leber, Niere und Harnblase. Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Uni Wien schloss auch die Möglichkeit einer radioaktiven Verstrahlung der Umgebung nicht aus: "Das wird man sehen." In Ungarn herrscht weiterhin Streit darüber, ob die Substanz radioaktiv ist oder nicht. Unterdessen wurde ein weiteres mit giftigen Stoffen gefülltes Becken des Aluminiumwerkes als instabil eingestuft.

Entwarnung für Österreich

Für Österreich gibt Umweltminister Niki Berlakovich jedenfalls Entwarnung: "Es besteht nach derzeitigem Stand keine Gefahr." Und: "Bei Katastrophen dieses Ausmaßes ist es selbstverständlich, dass Nachbarn einander helfen. Daher habe ich eine Task-Force im Umweltministerium eingerichtet, die prüft, wie wir den Menschen in unserem Nachbarland helfen können."

Stichwort Rotschlamm

Der Rohstoff Aluminium ist ein Leichtmetall aus dem Rohstoff Bauxit. Um Aluminium zu gewinnen, wird Bauxit in einem Dampfkochtopf mit Natronlauge gekocht bis sich Aluminium löst. Zurück bleibt hochgiftiger Rotschlamm aus Eisenoxid, Titanoxid, Siliziumverbindungen und Natronlauge. Für eine Tonne Aluminium braucht man je nach Güte des Bauxits die doppelte bis vierfache Menge. Der trockene Schlamm wird als Material für Ziegel und Zement verwendet.

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