SFH-141882 AKTUELLES INTERVIEW Umweltkonzepte gibt es jede Menge. Jetzt umsetzen!

„Die Maßnahmenpakete liegen ja bereits auf dem Tisch, damit muss man jetzt nicht mehr von vorne anfangen. Die Zeit drängt, Umweltschutz wieder in den Fokus zu rücken, anstatt die Rücknahme von erkämpften Gesetzen hinzunehmen", warnt » Prof. Priv.-Doz. Dipl.-Ing. Dr. Hans-Peter Hutter, MedUni Wien.

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(Bild: Tomschi Peter)


„Ich befürchte hier eine Verwässerung bereits festgelegter Standards, weil aufgrund der Pandemie vermeintlich andere Dinge wichtiger geworden sind. Doch das Zeitfenster wird sich bald schließen. Uns stehen nur mehr ein paar Jahre zur Verfügung, um die Folgen der Umweltzerstörung abzumildern - ich kann gar nicht mehr sagen: zu verhindern", zeigt sich der Experte alarmiert.

Wo liegen aus Ihrer Sicht derzeit die Hauptprobleme?
Prof. Hans-Peter Hutter: Wenn wir weiterhin Raubbau am Ökosystem betreiben und die Massentierhaltung beibehalten, dürfen wir uns nicht wundern, dass es zu weiteren Pandemien kommen wird. Verschwendung von Ressourcen, die Gesinnung, dass wir einfach machen, was wir wollen, ohne Rücksicht auf das große Ganze, schadet auch uns selbst. Der Kampf gegen die Klimakrise ist damit ebenso ein Kampf gegen die Pandemie. Das kann man gar nicht trennen.

Sie plädieren generell für mehr Bewegung, z. B. Umstieg auf das Fahrrad?
Ja, daran halte ich mich selber auch, wo und wann immer es möglich ist. Dadurch hat man einen direkten Benefit: Mehr Bewegung ist gut fürs Klima und für mich! So lässt sich etwa das Krebsrisiko senken und die Gefahr für Dutzende andere Krankheiten auch noch. Das ist doch grandios!

Kann das tatsächlich die Lage verbessern?
Es wird nicht die gesamte Klimasituation ändern, aber es ist schon viel erreicht, sich zu überlegen: Kann ich heute nicht auf eine umweltfreundlichere Lebensweise umsteigen? Etwa beim Fleischkonsum.

Sollten wir besser alle Veganer werden?
Das ist illusorisch und muss ja auch nicht sein. Es geht aber um bewussten Konsum - man kann hier als Konsument direkt in die Produktion, in den Energieverbrauch eingreifen, indem man etwa beim Einkauf bewusst auf hohe (Bio-)Qualität und heimische Produkte achtet. Die Reaktion auf die Hitze muss auch nicht automatisch sein: „Dann kauf ich mir halt eine Klimaanlage", sondern ein Nachdenkprozess. Richtig lüften, Fenster verdunkeln, Raumluft verbessern usw.

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Die Reaktion auf die Hitze muss nicht immer gleich sein: „Dann kauf ich mir halt eine Klimaanlage", sondern ein Nachdenkprozess. Richtig lüften, Fenster verdunkeln, Raumluft verbessern usw.

Prof. Priv.-Doz. Dipl.-Ing. Dr. Hans-Peter Hutter

Wäre der Ausbau der E-Mobilität ein Weg aus der Krise?
Ja, schon, aber das ist nicht die alleinige Schlüsseltechnologie und wird das Problem nicht gänzlich lösen. Es beginnt bei den Batterien und endet damit, dass man immer noch Flächen versiegelt für den Autoverkehr. Der Strom muss auch irgendwo herkommen. Uns Menschen ist halt oft eine technische Lösung lieber als unser Verhalten zu ändern oder politische Entscheidungen zu treffen. Genau darauf käme es aber an! Wenn wir dazu nicht fähig sind, wird es wirklich schwierig werden, die Umwelt, in der wir leben und von der wir abhängig sind, zu erhalten.

WAS WIR TUN KÖNNEN

  • Kurze Strecken mit dem Fahrrad und zu Fuß zurücklegen, „Elterntaxis" im Familienalltag zurückschrauben, wann immer möglich auf den öffentlichen Verkehr zur Fortbewegung zurückgreifen.
  • Auf individuelle Klimageräte in den eigenen vier Wänden verzichten.
  • Insektenhotels" auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten anbringen und die Vielfalt, die Einzug hält, beobachten.
  • Auf eigenen Freiflächen bzw. in Gemeinschaftsgärten etc. keine Pestizide verwenden, heimische Samen und Pflanzenaus ökologischen Betrieben wählen, nicht alles „niedermähen".
  • Organisationen und Projekte unterstützen, die sich für Klima- und Biodiversitätsschutz einsetzen.
  • Angebote von Natur- und Umweltschutzorganisationen, Schutzgebieten etc. nützen, um die beeindruckende natürliche Vielfalt kennen und schätzen zu lernen (etwa auch als Alternative für Betriebsausflüge etc.). Das eigene Wissen bzw. hilfreiche Tipps für den Klima- und Biodiversitätsschutz im Freundes- und Bekanntenkreis teilen.
Karin Podolak
Karin Podolak
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